Johann Barth

1931 (Mettersdorf/Siebenbürgen) - 2009 (Salzburg),
lebte ab 1952 in Salzburg

Fotograf und Schriftsteller. Johann Barth kam als Flüchtling
nach Salzburg und wurde zum Alltags- und Sozialfotografen
der Stadt.

Erst ein halbes Jahrhundert später, kurz vor Barths Tod, gab das Salzburger Stadtarchiv einen Band von Barths Fotografien zwischen 1950–1975 heraus. Eigenartig, wie diese Fotografien zurückführen in die längst als vergessen geglaubte Vergangenheit, in eine Stadt, in der ich die Jugend verlebte, bevölkert von Typen und Situationen, die mir bekannt sind, Bauwerke und Verkehrsverhältnisse, die ich so erlebt hatte. Beim Blättern in diesem Band seiner frühen Fotografien war mir, als ginge Barth hinter mir. Eigentlich müssen sich unsere Wege und wahrscheinlich auch die von vielen anderen oft gekreuzt haben. Barth lieferte Fotos für die in meinem Kopf längst vergrabenen Bilder. Er gibt mir Bilder zurück, mit anmutigem Beiwerk, komischen Typen, die ich tagtäglich nur am Rande wahrnahm, sogar die Geräusche der Motoren, das Geplappere am Markt, die Schaufensterdekorationen, die Typen vor dem Kino, die Mopeds der Halbstarken, den „Mississippi-Dampfer“ am Hanuschplatz, den hellblonden Badewaschl vom Volksgartenbad und das Publikum vor dem „Western Saloon“, in den ich mich als Nichttänzer kaum traute… Diese Seite von Barth kannte ich damals, als sich unsere Wege bei Levi Strauss kreuzten, nicht. Auch von seiner Bekanntschaft mit Thomas Bernhard wusste ich wenig. Später, als er sich nur mehr als Literat wähnte, erfuhr ich doch einiges über diese Bekanntschaft, auf die er sehr stolz war. Barth hatte Bernhard in den frühen fünfziger Jahren kennengelernt, wie er schreibt, in der Redaktion des „Demokratischen Volksblatts“. Auf Geheiß des damals verantwortlichen Redakteurs, Dr. Herbert Moritz, nahm Bernhard Barth mehrmals zu Gerichtssaal-Berichterstattungen mit. Jahre später trafen sie einander in der Kulturredaktion der „Salzburger Nachrichten“ wieder und arbeiteten zusammen als Filmkritiker. Bernhard, so Barth, verstieg sich zunehmend in dichterischen Beschreibungen, was Max Kaindl-Hönig zur Feststellung veranlasste: „Wer soll sich bei Ihrer dichterischen Verstiegenheit noch auskennen!“ Worauf Bernhard wütend den „Kulturpapst“ anschrie: „Lecken S’ mich doch am Arsch!“ Vergnüglich berichtete Barth diese Begebenheit in seinem Archivroman. Er schreibt:

„Da sich Bernhard gern von mir fotografieren ließ, machte ich auch an diesem Wiedersehenstag [November 1963] vom 32jährigen Dichter-Journalisten, mit der FAZ in der Hand, aus einem Glas Wasser trinkend und auf dem kleinen Marmortisch vor ihm das Buch FROST liegend, Bilder. Seine einzige Bedingung war: ich durfte die Bilder überall publizieren, aber niemals bei den SALZBURGER NACHRICHTEN!“


Max Blaeulich

Schriftsteller, Herausgeber, Buchhändler und bildender Künstler

 

Vollständiger Essay zu Johann Barth