Dieter Feichtner

1943 - 1999, lebte zeitlebens in Salzburg

Musiker und Komponist. Als ein Pionier elektronischer Musik bespielte er Kirchen und öffentliche Räume. Dieter Feichtner schuf ein eigenes musikalisches Genre spontaner Klangentwicklung. Er erntete europaweit Anerkennung und spielte mit wichtigen Musikern des Jazz.

Der Ausnahmemusiker und Komponist Dieter Feichtner erregte mit seiner Eigenart und Spielfreude nachhaltig Eindruck im neuen Musikleben und im Alltag Salzburgs. Friedrich Gulda bezeichnete ihn als einen der wichtigsten Musiker seiner Zeit. Der unkonventionelle Soundvirtuose passte mit seiner neuartigen Klangwelt in die Aufbruchsstimmung der 70er Jahre und erfüllte für viele Zuhörer den Wunsch nach ungewöhnlichen neuen musikalischen Erlebnissen. Feichtner hatte ohne Abschluss am Mozarteum Kontrabass und Schlagzeug studiert und in verschiedenen Jazzformationen gespielt. Doch weder die klassischen Normen noch die Vorgaben im Zusammenspiel mit anderen Musikern waren seine Sache. Der eigenwillige Musiker erreichte seine Blüte als Pionier der elektronischen Musik mit der Anschaffung mehrerer Moog-Synthesizer, die er zu einer Musikstation mit diversen Keyboards und vielen Schaltmöglichkeiten verbinden ließ. In einer blinkenden Kapsel dieser Instrumente agierte Dieter Feichtner als vielstimmiger Solist und erstaunte mit sphärisch neuen Elektronikklängen ein gebanntes Publikum.
Viele Menschen und Musiker, mit denen ich über ihn sprach, nannten Dieter Feichtner genial, doch in Wirklichkeit war er genialisch, da er seine Musik und sein Spiel nicht nachhaltig reflektierte, sondern intuitiv und rauschhaft in neue musikalische Welten vordrang. Dort entwickelten sich betörende melodische und rhythmische Variationen in einer Vielfalt von Klangfarben, wie man sie vorher kaum je gehört hatte. Seine Praxis explodierte im Jetzt und brauchte keine Theorie. Auch wenn gewisse Grundmuster erkennbar wurden und man in seiner Musik symphonische Bögen und Elemente von Volksmusik oder experimenteller Klassik finden konnte, so war sein Spiel doch immer einmalig und unwiederholbar. Er schöpfte und improvisierte aus dem Moment und wurde dabei zum Spontankomponisten. Im besten Sinn des Wortes war er ein Tondichter, ein Klangzauberer, der seine große Musikalität zu seinem Leben gemacht hatte. Living Music. Zeitgemäß wie Living Theatre und Living Dance.



Michael Stolhofer
Kurator für Tanz, Performance und zeitgenössisches Theater, bis 2012 Intendant der SZENE Salzburg

 

Vollständiger Essay zu Dieter Feichtner

Gabriele Conrad schickt unter dem Titel „Waschtag im Pantanal“ ein Bild von Feichtners Brasilienreise 1988. Danke!