Franz Feldinger
Günter Praschak   
Karl Kodat

Die drei violetten Ikonen waren Austria Salzburgs Wegbereiter vom Provinzverein zum Spitzenklub.

Franz Feldinger, 1928 (Salzburg) - 2009 (Salzburg), Fußballer, Hauptschullehrer
Günter Praschak, 1929 (Heidenreichstein) - 2011 (Salzburg), Fußballmanager, Versicherungskaufmann
Karl Kodat, 1943 (Wien) - 2012 (Salzburg), Fußballer, Stadtwerkeangestellter

Lehen ist Salzburgs dichtest besiedelter, und zugleich jener Stadtteil, in dem lange gar nichts schillerte, außer — ja, außer dass hier von 1933 bis 2002 ein Fußballklub beheimatet war, der in Summe ungleich höhere Zuschauerzahlen und stärkere mediale Präsenz zu verzeichnen hatte als jedes andere Veranstaltungsereignis im Bundesland: der SV Austria Salzburg.
Auf dem Areal der Neuen Mitte Lehen erinnern heute nur mehr einer von ehemals vier Betonzylindern, die das Flutlicht getragen haben, sowie die Spielfeld-Grünfläche daran, dass hier bis zum Abriss (2006) eine Fußballarena platziert war, die bei ihrer Einweihung im September 1971 als modernstes Stadion Österreichs gegolten hatte.
Zu diesem Zeitpunkt waren die „Lehener Violetten“, wie die Austrianer genannt wurden, bereits österreichischer Spitzenklub. Den Weg dorthin haben — noch vor dem Stadionbau statt der früheren „Lehener Gstätt’n“ — drei populäre Protagonisten mitgeprägt, die kaum etwas gemeinsam hatten außer der restlosen Hingabe an ihre Kickerpassion: Ein Oberlehrer, Schulrat und waschechter Salzburger namens Franz Feldinger; ein „Russenflüchtling“ der frühen Nachkriegszeit, gebürtig aus dem Waldviertel und im Hauptberuf wohlbestallter Versicherungskaufmann — Günter Praschak; und schließlich Karl Kodat aus Ottakring, Wiener mit Leib und Seele, gelernter Bäcker und Eisenbieger, vom Schicksal oftmals stiefmütterlich behandelt, dafür aber reich gesegnet mit der Gabe des virtuosen Balltretens.
Feldingers Karriere, in der er bald zum Kapitän und mit 687 Einsätzen zu Austrias Rekordspieler wurde, hatte mit Kriegsende begonnen, gipfelte in der Berufung in das Olympiateam für die Sommerspiele in Helsinki 1952 und währte bis 1963. Er verkörperte auch in der höchsten Liga den reinen Amateurfußballer und hielt Austria stets die Treue.
Praschak kam, wie viele damalige Austria-Größen, in der Besatzungszeit aus Ostösterreich. Er erkannte bereits früh die merkantilen Chancen im Volkssport Fußball. Und obwohl auch er berufstätig blieb, arbeitete er schon als Aktiver professionell. Erst recht, als er nach der Spielerlaufbahn jene des Klubmanagers einschlug. Als solcher legte er auch den Grundstein für Austrias Aufstieg zum österreichischen Topklub. Nicht zuletzt, indem er jenen Stürmer aus Wien nach Lehen lotste, von dem viele behaupten, er sei der beste, der je den Salzburg-Dress getragen hat: Karl Kodat brachte es bis in die Nationalelf und nach sechs Auslandsjahren in Belgien dortselbst zum „besten Legionär des Jahrhunderts“.


Hannes Krawagna
Sportjournalist, Autor

 

Vollständiger Essay zu Franz Feldinger, Günter Praschak und Karl Kodat