Herbert Fux

1927 (Hallein)—2007 (zürich), kam 1932 nach Salzburg

Schauspieler und Politiker. Herbert Fux spielte in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen, war Mitbegründer der „Bürgerliste“, Gemeinderat und Abgeordneter zum Nationalrat. Er setzte sich vehement für einen sorgsamen Umgang mit der Salzburger Altstadt und gegen Bauspekulation ein.

Die antifaschistische Haltung von Herbert Fux ist ein wichtiger Teil seiner Persönlichkeit gewesen und ich habe versucht dazu ein Gespräch, wie wir es öfters geführt haben, aufzuzeichnen.

Radlegger: Wie hast du die Entwicklung in Salzburg nach dem Einmarsch Hitlers im März 1938 erlebt?

Fux: Abgesehen von der Flucht meines Stiefvaters hat mich ein anderes Ereignis besonders abgeschreckt: Es war die von den Nazis verharmlosend bezeichnete „Reichskristallnacht“, für mich der erste sichtbare, brutale Gewaltakt gegen die jüdischen Bürger. Mein Cousin und ich sahen am nächsten Morgen nur noch die rauchenden Trümmer der Synagoge in der Lasserstraße und die geplünderten Geschäfte. Wir stellten uns die Frage, ob dies die neue Gesellschaft sein sollte, in der Juden öffentlich zu Volks- und Staatsfeinden wurden. Deprimiert fuhren wir nach Hause, denn der Nationalsozialismus als idealistische Bewegung war fadenscheinig geworden. Als der Krieg begann, mehrten sich Kontrollen und Verfolgung Andersdenkender durch die Gestapo. Viele meiner Schulfreunde und deren Familien waren gegen das Regime.
Wir fingen damals an, BBC zu hören, obwohl das mit Gefängnisstrafe bedroht war und ließen uns die Haare lang wachsen, um auf diese Art und Weise unseren Protest zu zeigen. Der NS-Landesjugendschulführer hat uns in einer Schulversammlung als „Asphaltkröten“ bezeichnet, worauf wir von älteren Schülern überfallen wurden und man uns die Haare abschnitt.

Radlegger: Deine antinazistische Einstellung wurde aber auch durch Erlebnisse in Wien geprägt.

Fux: Obwohl Kriegszeit war, hatte ich die Gelegenheit, in den Ferien immer wieder meine Verwandten in Wien zu besuchen, die im zweiten Bezirk wohnten. Viele jüdische Familien lebten hier und ich habe gesehen, wie sie von SS und Gestapo aus den Betten geholt und mit Lastwagen abtransportiert wurden. Diese Menschen waren starr vor Schreck. Schemenhaft sah ich vom Fenster des dritten Stocks diese gespenstischen Szenen. In den Straßen des zweiten Bezirks und in der angrenzenden Rotenturmstraße schlichen arme und abgemagerte, mit dem gelben Stern gebrandmarkte Menschen die Hausmauern entlang, voller Angst vor den „arischen Wienern“, die sie von den Gehsteigen stießen und demütigten. Ich sah wie Wiener vor ihnen ausspuckten und sie verhöhnten. Ein unvergessliches, grauenhaftes Bild der Menschenverachtung. So erkannte ich das Grauen in vollem Umfang und sehnte das Ende der Schreckensherrschaft herbei.

 

Wolfgang Radlegger
Ehemaliger Landeshauptmann-Stellvertreter und Vorstand der Wüstenrot Wohnungswirtschaft reg.Gen.m.b.H.

 

Vollständiger Essay zu Herbert Fux