Ulrike Gschwandtner

1965 (Werfen im Pongau)—2007 (Gasherbrum II in
Pakistan), lebte ab 1983 in Salzburg

Sozialwissenschaftlerin, Feministin, Bergsteigerin.
Ulrike Gschwandtner rückte die weibliche Perspektive und die Anliegen Unterprivilegierter in den Mittelpunkt ihrer Arbeit.

Die aus Werfen stammende Ulrike Gschwandtner war eine frauen- und sozialpolitisch hochengagierte Sozialwissenschaftlerin mit einem breiten Betätigungsfeld und eine renommierte Bergsteigerin. Sie studierte an der Universität Salzburg Geschichte, Politik und Sportwissenschaften und war Mitbegründerin der Historikerinnengruppe und in der Studentinnenvertretung tätig. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin arbeitete sie u.a. in der Gesellschaft für historische Frauenforschung, am Ludwig-Boltzmanninstitut für historische Sozialwissenschaft und am Institut für Alltagskultur (IAK) zu den Schwerpunkten Arbeitswelt, Frauenforschung und Gleichbehandlung und Europäische Union. 1996 gründet sie gemeinsam mit Birgit Buchinger die Firma „Solution“ für Sozialforschung und Entwicklung. Dabei lag ihr Interesse bei neuen Themenbereichen, die bis dahin kaum berücksichtigte Perspektiven mit einem innovativen wissenschaftlichen Ansatz verbanden, der psychoanalytische Selbstreflexion mit einschließt. Beispiele dafür wären u.v.a. die Studie zu Brustkrebs (2002) oder die Studie zu Frauen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen (2006) im Bundesland Salzburg.
Ulrike Gschwandtners Forschungsarbeit stand stets im Kontext gesellschaftlicher Verhältnisse. Sie wünschte sich, damit einen Beitrag zu emanzipatorischer Entwicklung und Veränderung zu leisten. Auch die Unterstützung junger Wissenschaftlerinnen und von Frauen im IT-Bereich waren ihr besondere Anliegen. Gemeinsam mit der Sozialwissenschaftlerin und Philosophin Frigga Haug erforschte sie in einer exemplarischen Studie die Zukunftsperspektiven und Selbstentwürfe Jugendlicher im deutschen Sprachraum. U. a. im Austrian Social Forum setzte sie sich vehement gegen Neoliberalismus und Rechtspopulismus ein.
Die leidenschaftliche Alpinistin, die technisch als sehr versiert galt, bestieg den höchsten Berg Nordamerikas in Alaska, den Denali, vormals Mount McKinley (6.190m) und den Pik Lenin (7.134m) an der Grenze zwischen Kirgisistan und Tadschikistan. Sie gehörte zum wissenschaftlichen Team der Salzburger Alpinismus-Ausstellung 2000/01 und beschäftigte sich u.a. in einem Film über das Leben von Helma Schimke, einer Salzburger Pionierin des Frauenbergsteigens, mit der Geschichte des weiblichen Alpinismus.
Ulli Gschwandtners Leben endete früh, am 3. Juli 2007 im Karakorum-Gebirge in Pakistan, kurz vor ihrem 42. Geburtstag. Sie wurde in ihrem Zelt im Basislager tot aufgefunden. Vermutlich starb sie infolge der Höhenkrankheit. Der Gasherbrum II hätte ihr erster Achttausender werden sollen.


Gudrun Seidenauer
Schriftstellerin, Erwachsenenbildnerin und Lehrerin am Musischen Gymnasium Salzburg

 

Vollständiger Essay zu Ulrike Gschwandtner