Gunther Hofmeister

1942 (Bad Häring/Tirol)—2013 (Wien), lebte von 1965 bis 1989 in Salzburg

Designer, Konzertveranstalter und Gastronom. Gunther Hofmeister führte die Boutique „Top News“ und organisierte Open-Air-Festivals. Er brachte Offenheit und Toleranz nach Salzburg.

Hofmeister war ein kultivierter, feinsinniger und attraktiver Mann, groß, schlank, dunkelhaarig, ein Gottseibeiuns der Reaktionäre, ein Bürgerschreck, wie es damals hieß. Und doch ist er mitten in dieses Bürgertum gelangt und darüber hinaus – Hofmeister war Teil einer skandalumwitterten High Society.
In seiner Boutique ging die Hautevolee ein und aus und ließ sich einkleiden. Bei seinen Partys trafen sich Stars. Helmut Berger, Romy Schneider, Clint Eastwood, Mirella Freni und Alfredo Kraus trugen sich in das Gästebuch ein, um einige zu nennen.
Gunther Hofmeister veranstaltete die ersten Rockkonzerte in Salzburg und wurde ein Pionier der Musikszene. Er holte die österreichische Prominenz zu Auftritten, von der „Hallucination Company“ bis „Drahdiwaberl“.
Falco wurde zu einem Freund.
Gunther konnte dunkle Altstadthöhlen in magische Wohnungen verwandeln und aus einer Werkstatt im Handumdrehen ein abendliches Esszimmer entstehen lassen. Was war man stolz, eingeladen zu sein.
Hofmeister beschäftigte die Fantasie, weil ihn ein Geheimnis umgab, obwohl er nie ein Geheimnis daraus machte.
Er war schwul. Er war der erste öffentliche Schwule in Salzburg. Nicht, dass er das vor sich hergetragen hätte. Er war nur, wie er ist. Darauf verwendete er all seinen Mut und seine Kraft. Er hat den Homosexuellen ein Ansehen gegeben. Aufregend genug in dieser Zeit.
Als er die Stadt verließ, wurde er zur Legende.
Er war ein leuchtender Mensch.


Martin Stricker
Journalist und Ressortleiter Außenpolitik bei den „Salzburger Nachrichten“

 

Vollständiger Essay zu Gunther Hofmeister