Franz Innerhofer

1944 (Krimml)—2002 (Graz), lebte von 1963 bis 1976 in
Salzburg

Schriftsteller. 1974 erschien sein erster Roman „Schöne Tage“, der mit mehreren Preisen ausgezeichnet und in viele Sprachen übersetzt wurde. Die Protagonisten in seinen Romanen und Erzählungen rebellieren gegen patriarchalisch-autoritäre Lebensnormen in Österreich.

Aus seinem Zimmer im Studentenheim in der Wolf-Dietrich-Straße konnte Franz Innerhofer auf den Kapuzinerberg sehen. In der 1982 erschienenen Erzählung Der Emporkömmling beschreibt er das Zimmer und den Blick aus seinem Fenster: „Einige hundert Meter hinter Dächern und Häusern erhob sich steil ein mit Mischwald überwachsener Berg, über dessen Spazierwege ich oft gewandert war.“ Auf einem dieser Wege über den Kapuzinerberg hatte er das entscheidende Erlebnis. Am Kapuzinerberg spürte Innerhofer die Gewissheit, Schriftsteller zu werden. Beim Gehen, so lesen wir, entstand in Gedanken ein Gedicht, ein Gedicht das sich „nicht mehr wegschieben“ ließ. Immer wieder sagte er es vor sich hin. „Innerhalb weniger Augenblicke war etwas passiert, das mich von allen Zweifeln erlöste. Ich wusste plötzlich, dass ich es schaffen würde. Es ist keine Einbildung gewesen! Es ist tatsächlich möglich! Endlich wusste ich, dass die Fähigkeit zum Schreiben entwickelbar ist.
Endlich hatte ich alle, die von Genie und angeborenem Talent redeten, los. Endlich wusste ich, dass sie nur schwatzten. Das war ein großer Tag.“
Franz Innerhofer, geboren in Krimml, hatte in Uttendorf eine Schmiedelehre gemacht, ehe er als Schlosser in Salzburg arbeitete. Hier absolvierte er auch seinen Militärdienst und besuchte das Gymnasium für Berufstätige. Nach seiner Matura (1970) inskribierte er an der Universität Salzburg. Von 1970 bis 1973 studierte er Germanistik und Anglistik.
Sein Roman Schöne Tage ist der erschütternde Bericht über seine Kindheit, eine Geschichte von Härte und Grausamkeit. Bis heute hat das Buch seine Wirkung nicht verloren. Damals, als es erschien, empörten sich Bauern, Politiker und Klerus wochenlang über den von den Schriftsteller-Kollegen gefeierten Autor. Anderen aber, die Ähnliches erlebt hatten, machte dieses Buch Mut.
Innerhofer, den wir während seiner Studentenjahre als Kollegen in Lehrveranstaltungen und bei Lesungen erlebten, arbeitete auch als Portier im sogenannten „Wolf-Dietrich- Heim“. Bei ihm musste man die Marken für das Mensa-Essen kaufen. Seine rebellische Art, seine provokanten Aktionen, die er gelegentlich mit Studienkollegen inszenierte, imponierten uns sehr ...

 

Klemens Renoldner
Literaturwissenschaftler und Schriftsteller, seit 2008 Direktor des Stefan Zweig Centre Salzburg


Vollständiger Essay zu Franz Innerhofer