Fritz Kohles

1954—2006, lebte zeitlebens in Salzburg

Postbeamter, Blasmusiker, Kabarettist, Vortragskünstler, Sänger, Beislwirt, Geschichtenerzähler und Schauspieler auf vielen Bühnen, vor allem auf der Bühne seines viel zu kurzen Lebens.

Von den 1980er Jahren bis zu seinem Tod war Fritz Kohles einer der bekanntesten Salzburger seiner Generation. Wer ihn nicht kannte, konnte nicht von sich behaupten, Salzburg zu kennen. Und wer ihn einmal erlebte, der wird ihn nicht vergessen haben. Wo immer man hinkam, traf man jemanden, der eine Anekdote über Fritz oder eine Geschichte zu berichten hatte, die ihm Fritz selbst erzählt hatte. Er war ein Sammler und ein begnadeter Erzähler von Geschichten, in seinem enormen Gedächtnis hatte er Hunderte von ihnen gespeichert, die von einfachen und hochneurotischen Leuten handelten, von kuriosen Begebenheiten und alltäglichen Vorkommnissen, die erst durch die Deutung, die er ihnen gab, bedeutsam wurden.
Er war Salzburgs populärster Postbeamter, der in seiner Dienststelle mit Grant und Witz amtierte. Das Postamt war die erste Bühne, auf der er seine Kollegen, Kunden und selbst die Beschwerdesteller blendend unterhielt. Später rezitierte er in Gasthäusern, auf kleinen Theatern und in großen Sälen literarische Texte berühmter und völlig unbekannter Autoren; er spielte mit verschiedenen Musikern traditionelle und schräge Volksmusik und brillierte in Einpersonenstücken auf dem Theater.
Als Kabarettist stellte er Programme zusammen, in denen er, der vielerlei Sprechweisen und Dialekte beherrschte, vom eingängigen Kalauer zum sarkastischen Witz alles aufbot, was die Kleinkunst zu bieten hat.
In vielen Wirtshäusern der Stadt und des Umlands war er der Gast, auf den die Wirte und die Besucher warteten; und als er später selber Wirt wurde, zuerst im „Krottach“, dann in der „Klause“ auf dem Ursulinenplatz, kamen viele, um ihn zu sehen, wie er den Wirt spielte, zu hören, was er seinen Gästen zu erzählen hatte, zu erleben, wie das Beisl zum kleinen Welttheater wurde.
Er war einer der witzigsten Menschen Salzburgs, aber er war gerade das nicht, was ihm viele attestierten und nach seinem Abgang hinterhergerufen haben: Er war nicht lustig. Witzig ja, sehr witzig sogar, aber nicht lustig. Er gehört zur wahren, zur ungeschriebenen Geschichte dieser Stadt.


Karl-Markus Gauß
Schriftsteller, Kritiker und Herausgeber der Zeitschrift „Literatur und Kritik“

 

Vollständiger Essay zu Fritz Kohles