Waltraut Rainer

1936 (Köln)—2009 (Salzburg), lebte ab 1956 in Salzburg

Aktivistin und Schriftstellerin. Sie engagierte sich für Umweltschutz, Zivilgesellschaft und in der Friedensbewegung; darüber hinaus verfasste sie Gedichte, Essays und Libretti.

Waltraut Rainers Salon in der Arenbergstraße war einer der nonkonformistischen Hotspots der frühen Umweltbewegung. Dort drückten sich inspirierte wie inspirierende Leute aller Altersgruppen die Klinke in die Hand. Man zelebrierte Offenheit und Dialoggewitztheit — pulsierend, oft unbeschwert, lebhaft. Die politisch virulenten Themen, die Dinge der res publica beherrschten zumeist diesen halböffentlichen Begegnungsort. Waltrauts Engagement schillerte zwischen „ach Kinder, ist das Leben schön!!“ und „Erst wenn ich ,nein‘ sag’, leiht sich mir das leben“. Wohlwollend und vorurteilsfrei richtete sich ihr Blick auf andere, sie glänzte durch ihre auf Gleichheit gerichtete freudige Bejahung des Gegenübers. Diesem enthusiastischen Ja zum Dasein und zu allen Menschen gesellte sich ein kompromissloses Nein hinzu. Ein Nein zu rücksichtslosen, selbstsüchtigen und die Zukunft der nachfolgenden Generationen gefährdenden Lebensweisen. Diesen Widerstand artikulierte sie unzählige Male — auf Diskussionsveranstaltungen, Demonstrationen, in Leserbriefen, Gedichten, im Radio.
In ihrem Text Warum ich schreibe gibt sie Rechenschaft über ihre gesellschaftspolitischen Kernanliegen: „Mich erschüttert die verbreitete Verantwortungslosigkeit, der Mangel an Bereitschaft, der grenzenlosen Übersättigtheit (durch übervolle Tröge) endlich den nötigen Fußtritt zu verpassen, Erschlaffung abzuschütteln und voll Sehnsucht und Hunger nach einem ÜBERLEBEN ALLER zu streben, das nur durch freiwillige (!) Selbstbeschränkung der reichen Länder gewährleistet wäre — ja, und zu kämpfen für diese Utopie: MENSCHENWÜRDE DURCH MASS, das unser Planet verkraftet. Vielleicht kann ich einen Beitrag dazu leisten, wenn nicht — ich setze sie trotzdem — meine unruhe-stiften-wollenden Zeichen.“ Mit diesen Zeichen überzog sie die Stadt. Unaufhörlich forderte sie auf, sich seines Untertanenstatus zu entledigen, und pochte auf die dringend notwendige verantwortungsvolle Aktivität der Einzelnen, denn sonst „hat unsere Generation eine in der Geschichte der Menschheit einzigartige Leistung vollbracht: sie hat die Zukunft ihrer Kinder bereits verkonsumiert“. Unermüdlich ging sie gegen old boys-netzwerke und deren menschenverachtende Weltanschauungen an. Sie hörte nicht auf, vor ökologischen Katastrophen und kriegerischen Bedrohungen zu warnen. Gewalt, welche Fratze sie auch immer zeigt, lehnte sie rundweg ab. „Nationalismus ist eine auf Dummheit basierende Arroganz gegenüber allem, was ,anders‘ ist, einer der gefährlichsten Nährböden für Menschenrechtsverletzungen, Krieg.“ — Ihr Herz schlug immerzu für eine Zeitenwende. Dafür setzte Waltraut auf Vernunft, Dialog und Poesie.


Tania Hölzl
Kunstwissenschafterin, Journalistin und Dozentin

 

Vollständiger Essay zu Waltraut Rainer