Christian Wallner

1948 (Gmunden)—2010 (Salzburg), lebte ab 1966 in Salzburg

Schriftsteller, Kabarettist und Kulturveranstalter. Christian Wallner kam als Student nach Salzburg und wurde in der Stadt zu einer Instanz des öffentlich-kritischen Denkens. Er schrieb und spielte zahlreiche Kabarettprogramme und verfasste Glossen für die „Salzburger Nachrichten“.

Man kommt nicht weiter, wenn man die wichtigen Fragen der Existenz theoretisch zu beantworten versucht. Die einzig gültige Antwort ist das gelebte Leben, sagt der große ungarische Autor Sandor Marai — und das gilt im besonderen Maße für eine Künstlerexistenz.
Christian Wallner 1966 aus Oberösterreich nach Salzburg gekommen, hat hier als Student die Diskussionen und Demonstrationen der 68er- und nach-68er-Jahre als streitbarer Geist mitgemacht, um sich dann fortan mit seinem Künstlerleben einzumischen in die allzu selbstgerechten Verhältnisse der Bürger- und Festspielstadt.
Mit seinen Gedichten, Prosatexten, Hörspielreihen und Fernsehdokumentationen profilierte er sich als gesellschaftskritischer Autor. Ab Mitte der 70er Jahre wirkte er dann immer mehr von der Kabarettbühne aus. In seinen ironisch-satirischen Texten griff er das Weltgeschehen ebenso auf wie die konkreten Konflikte vor Ort. Und wenn er in seinen Programmen „letzte Anleitungen zum richtigen Leben im falschen“ gab, dann sprach da ein intelligenter und scharfzüngiger Humorist zum Publikum, aber sicher kein Moralist. Uur szenisch-musikalischen Qualität seines Kabaretts trugen über die Jahre Gerhard Laber, Gerald Fratt, Verena Christof, Michaela Rosen und Susanne Pichler auf exquisite Weise bei.
Wallner mischte sich ein, mit seinen eigenen Programmen, aber auch mit der von ihm seit 1983 veranstalteten Motzart-Kabarettwoche, die er der hochkulturell-elitären Mozartwoche als Kontrapunkt entgegenstellte. So motzen denn seither die besten deutschsprachigen Kabarettisten jeweils Ende Jänner in der Mozartstadt herum, große Kleinkunst im besten Sinne wird da geboten, angefeuert von Helmut Hütters bissigem Logo-Löwen und weitab vom Comedy Mainstream.
Wallners Wirkung wuchs noch einmal, als er ab den frühen 90er Jahren fast zwei Jahrzehnte lang an jedem Samstag in den „Salzburger Nachrichten“ eine von den Lesern hochgeschätzte satirische Kolumne schrieb, inhaltlich scharf und stilistisch gediegen.
In seinen letzten Lebensjahren engagierte er sich zusammen mit Markus Grüner-Musil und Daniela Gmachl voll und ganz für den Neubau der ARGEkultur im Nonntal, für jenes größte unabhängige Kulturzentrum Salzburgs, das ihm in der zeitgenössischen, innovativen und gesellschaftskritischen Akzentuierung sowie als Motzart-Heimstätte zur Herzensangelegenheit geworden war. Von seiner geheimen Existenz als Maler wussten nur engste Freunde, seine Bilder und Grafiken harren noch der Entdeckung.
Dem kritischen Denken treu zu bleiben und die Gedanken in Fluss zu halten, darum ging es ihm bis zuletzt.


Siegbert Stronegger
Journalist und ehemaliger Direktor des ORF-Landesstudios Salzburg

 

Vollständiger Essay zu Christian Wallner